Wochenausblick: Land in Sicht

4. Juli 2011. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Mit einem wahren Kursfeuerwerk reagierten die Märkte am Mittwoch auf die Verabschiedung des Sparpakets in Griechenland. Das war aber nicht die einzige Last, die den Börsianern in der vergangenen Woche von den Schultern genommen wurde: Zum Wochenschluss nährte ein unerwartet gestiegener ISM-Einkaufsmanagerindex die Hoffnung, dass die USA nun doch nicht in eine Rezession zurückfallen werden. Innerhalb einer Woche legte der DAX um 4,2 Prozent zu, heute Morgen notiert das deutsche Aktienbarometer bei 7.425 Punkten nahezu unverändert zum Freitagsschluss.

Nächster Akt der griechischen Tragödie folgt


Apelt

Partystimmung will dennoch nicht aufkommen. Zum einen ist die Insolvenz Griechenlands nur kurzfristig abgewendet. „Die Finanzierung für das kommende Jahr ist weiterhin nicht gesichert, die Verhandlungen innerhalb der EU dauern an. Damit ist es wahrscheinlich, dass spätestens im Herbst der nächste Akt der griechischen Tragödie die Märkte in seinen Bann zieht“, kommentiert Christian Apelt von der Helaba. Darüber hinaus warnte die Rating-Agentur Standard & Poor`s, die bisher angedachte Beteiligung privater Gläubiger als teilweisen Kreditausfall zu werten.
Nicht zuletzt belastet der Konflikt um die Verschuldung in den USA. Sollten sich Demokraten und Republikaner nicht in Kürze über drastische Sparmaßnahmen und eine Erhöhung der gesetzlich festgesetzten Obergrenze für die Staatsverschuldung einigen, steht die Zahlungsunfähigkeit an. Der Standard & Poor`s-Geschäftsführer John Chambers hat bereits mit einer Herabstufung von Staatsanleihen auf die unterste Bonitätsnote D, also „Default“, gedroht.

Zinserhöhung kein Gift


Stabel

In Europa konzentrieren sich die Börsianer unterdessen auf den Donnerstag, dann wird die EZB nämlich, so wird erwartet, abermals die Zinsen anheben. Für die Aktienmärkte muss das aber nicht schlecht sein: „Ein Blick in die jüngste Vergangenheit zeigt, dass anziehende administrierte Zinsen dann verkraftbar sind, wenn die Wachstumsimpulse noch expansiven Charakter haben. Problematisch wird es offenbar erst dann, wenn die Leitzinsen die Drei-Prozent-Hürde übersteigen“, meint Klaus Stabel von ICF Kursmakler. Außerdem sind seiner Ansicht nach die Erwartungen der Analysten an die Ertragsstärke der Unternehmen im zweiten Halbjahr nicht sehr ambitioniert. „Deshalb ist ein positives Überraschungspotential eher wahrscheinlich.“

Zweites Halbjahr besser

Die HSBC hat ihre Untergewichtung von Aktien zwar noch nicht aufgehoben. „Sehr wohl aber haben wir die defensive Haltung in Sektoren wie Banken zu Lasten vermeintlich defensiver Branchen wie Telekommunikation aufgelöst“, erklärt Babak Kiani von HSBC Global Asset Management Deutschland. Er sieht darin einen ersten Schritt hin zu einer wieder optimistischeren Portfoliostruktur. „Sehr vieles spricht dafür, dass die Aktienmärkte im zweiten Halbjahr eine gute Entwicklung nehmen können.“ Nun gelte es, sich in der auslaufenden Konsolidierungs-, beziehungsweise Korrekturphase zu positionieren. „Wir sehen „Land in Sicht“ und ändern gefühlvoll den Kurs.“

Technisch Ampeln auf Grün


Schmidt

Aus technischer Sicht sind die Chancen für einen weiteren Kursanstieg auch nicht schlecht, meint zumindest Christian Schmidt von der Helaba. Mit den Kursgewinnen der vergangenen Tage sei es dem DAX gelungen, die lange Zeit umkämpfte Widerstandsmarke bei 7.330 Zählern zu überwinden. „Zuvor wurden bereits die 21- und 55-Tage-Linien überschritten, was insgesamt zu einer Erhöhung der Bewegungsdynamik führte.“ In den kommenden Tagen müsse der Bruch der 7.330er-Marke nochmals bestätigt werden. „Gelingt dies, wären die Chancen für einen neuen Angriff auf das alte Jahreshoch recht gut“, meint Schmidt. Widerstände auf dem Weg nach oben fänden sich bei 7.460, 7.527 und 7.554 Punkten.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine

Montag, 4. Juli

  • USA: Feiertag (Independence Day). US-Märkte bleiben geschlossen. Börsenfeiertage können Sie aus unserem internationalen Handelskalender entnehmen.
  • 11.00 Uhr. EU: Erzeugerpreise Mai. Umfragen zufolge gehen Analysten im Schnitt von einem leichten Rückgang der Preise aus.

Dienstag, 5. Juli

  • 11.00 Uhr. EU: Einzelhandelsumsatz Mai. Die Helaba erwartet ein Minus von 2,1 Prozent im Monatsvergleich nach einem Plus von 0,9 Prozent im April.
  • 16.00 Uhr. USA: Auftragseingänge Industrie Mai. Mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent gegenüber dem April rechnet die Helaba und liegt damit über den Konsensschätzungen von 1 Prozent.

Mittwoch, 6. Juli

  • 12.00 Uhr. Deutschland: Auftragseingänge Industrie Mai. Im Mai könnte es laut DekaBank wieder Großaufträge gegeben haben, die Analysten erwarten bei den Auftragseingängen ein Plus von 0,8 nach 2,8 Prozent im April.
  • 16.00 Uhr. USA: ISM Dienstleistungsindex Juni. Die Helaba geht von einem Rückgang von 54,6 Punkten im Mai auf 53 Punkte im Juni aus. Der Indikator zeigt die Geschäftserwartungen der Dienstleister auf einer Skala von 1 bis 100. Werte über 50 deuten auf eine Ausweitung, Werte darunter auf eine Abschwächung der Konjunktur.

Donnerstag, 7. Juli

  • 12.00 Uhr. Deutschland: Industrieproduktion Mai. Umfragen zufolge wird mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet, im April war die Industrieproduktion noch um 0,6 Prozent geschrumpft.
  • 13.00 Uhr. Großbritannien: Sitzungsergebnis Bank of England. HSBC Trinkaus & Burkhardt erwartet einen unveränderten Zinssatz von 0,5 Prozent beim Zinsentscheid der britischen Notenbank. In Großbritannien hätten die jüngsten Konjunkturdaten nicht überzeugt. So sei bei einem Blick auf das Protokoll der letzten Notenbanksitzung klar zu erkennen, dass sich die Diskussionen im geldpolitischen Komitee weg von möglichen Zweitrundeneffekten bei der Inflation hin zu Wachstumsproblemen verschoben hätten.
  • 13.45 Uhr. EU: EZB-Sitzung mit anschließender Pressekonferenz. Auch auf der Sitzung der EZB am Donnerstag werde das Thema „Staatsfinanzen“ diskutiert, meint HSBC Trinkaus & Burkhardt. Auf der Pressekonferenz im Anschluss an den Zinsentscheid sei mit vielen Fragen an den EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet zu rechnen. Die erwartete Erhöhung des Leitzinses von 1,25 auf 1,5 Prozent werde indes für wenig Überraschung sorgen.

Freitag, 8. Juli

  • 14.30 Uhr. USA: Arbeitslosenquote Juni. Die DekaBank erwartet für den Juni einen nochmaligen schwachen Beschäftigungsaufbau. Die Investitionstätigkeit sei ungebrochen kräftig, die Belastungen in Folge der japanischen Naturkatastrophe hätten abgenommen.

Weitere Termine sowie die aktuellen Daten kurz nach ihrer Veröffentlichung finden Sie auf www.boerse-frankfurt.de/termine.

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© 4. Juli 2011/Anna-Maria Borse

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